Was passiert beim Saunieren im Körper? Reaktionen und Risiken

In der Sauna reagiert dein Körper auf einen starken Wärmereiz. Die Haut wird stärker durchblutet, der Puls steigt und du beginnst zu schwitzen. Beim Abkühlen verändert sich die Kreislaufreaktion erneut. Für gesunde Erwachsene sind diese vorübergehenden Anpassungen meist gut verträglich - sie sind aber keine Entgiftung und ersetzen weder Bewegung noch eine medizinische Behandlung.
Kurz zusammengefasst
Saunawärme erweitert vor allem die Blutgefäße der Haut. Das Herz pumpt mehr Blut, der Puls wird schneller und Schweiß hilft bei der Wärmeabgabe. Nach dem Saunagang kann der Blutdruck vorübergehend sinken. Kaltes Wasser setzt dagegen einen zusätzlichen Kältereiz. Wie stark du reagierst, hängt unter anderem von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Dauer, Abkühlung, Flüssigkeitshaushalt und deiner individuellen Belastbarkeit ab.
Der Saunazyklus in vier Phasen
In der heißen Kabine steigt die Hauttemperatur rasch an, später auch die Körperkerntemperatur. Um Wärme abzugeben, erweitern sich die Blutgefäße der Haut. Dadurch wird die Haut häufig warm und gerötet. Gleichzeitig muss das Herz mehr Blut bewegen; die Herzfrequenz nimmt meist zu.
Schweiß ist ein Teil der körpereigenen Temperaturregulation. Er besteht überwiegend aus Wasser und enthält unter anderem Natrium und Chlorid. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, wird Wärme abgeführt. Bei einem Aufguss steigt die Luftfeuchtigkeit kurzfristig. Dadurch verdunstet Schweiß schlechter und die gleiche Lufttemperatur fühlt sich deutlich heißer an.
Außerhalb der Kabine sinkt die Wärmebelastung. Kühle Luft oder Wasser verengen die Gefäße der Haut wieder; Blutdruck und Herzarbeit können sich dadurch verändern. Ein kaltes Tauchbecken setzt einen wesentlich stärkeren Reiz als eine lauwarme oder zunehmend kühle Dusche. Extreme Kälte ist kein notwendiger Bestandteil des Saunierens.
In der Ruhephase normalisieren sich Körpertemperatur, Puls und Kreislauf schrittweise. Gleichzeitig bleibt der Flüssigkeitsverlust bestehen. Trinke ausreichend vor und nach dem Saunieren und bei mehreren Gängen auch zwischendurch, wenn du Durst hast oder viel schwitzt. Es gibt keinen gesundheitlichen Grund, Flüssigkeit bis zum Ende der gesamten Anwendung bewusst zurückzuhalten.
Was machen Herz und Kreislauf beim Saunieren?
Die erweiterten Hautgefäße verringern den Gefäßwiderstand. Gleichzeitig steigt die Herzfrequenz, damit der Körper weiterhin ausreichend durchblutet wird und Wärme abgeben kann. Die Reaktion erinnert in einzelnen Messwerten an eine körperliche Belastung, ist aber kein Ersatz für Ausdauertraining.
Der Blutdruck reagiert nicht bei allen Menschen gleich. In einer experimentellen Studie mit 102 Personen und mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor sank der durchschnittliche Blutdruck nach einer 30-minütigen Saunasitzung. Daraus folgt jedoch keine pauschale Blutdrucktherapie: Temperatur, Dauer, Vorerkrankungen und Medikamente können die individuelle Reaktion verändern.
Was passiert mit Haut und Schweiß?
Die stärkere Hautdurchblutung und das Schwitzen sind normale Wärmereaktionen. Nach dem Saunieren können sich Wärme, Feuchtigkeit und anschließendes Waschen angenehm anfühlen. Daraus lässt sich aber weder eine porentiefe Reinigung noch eine Behandlung von Akne, Neurodermitis oder Schuppenflechte ableiten. Bei Hauterkrankungen kann Wärme je nach Person Beschwerden lindern oder verstärken.
Schweiß kann neben Wasser und Elektrolyten geringe Mengen weiterer Stoffe enthalten. Seine Hauptaufgabe ist trotzdem die Kühlung. Die Zusammensetzung des Schweißes eignet sich nicht als allgemeiner Nachweis dafür, dass der Körper in der Sauna von „Schlacken“ oder Schadstoffen gereinigt wird.
Was bewirkt Sauna bei Muskeln und Atemwegen?
Wärme kann sich bei verspannten Muskeln subjektiv wohltuend anfühlen und Entspannung fördern. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Behandlung von Schmerzen oder Verletzungen. Auch kurzfristige Veränderungen der Atemfunktion sind kein Beleg für ein dauerhaftes „Training“ der Lunge.
Bei akuten Atemwegssymptomen, Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl solltest du pausieren. Die konkrete Entscheidungshilfe findest du im Artsauna-Ratgeber „Infrarotkabine oder Sauna bei Erkältung“.
Was ist über regelmäßiges Saunieren bekannt?
Beobachtungsstudien bringen häufigeres Saunieren mit einem geringeren Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Ereignisse in Verbindung. Solche Zusammenhänge beweisen nicht, dass allein die Sauna den Unterschied verursacht. Menschen, die regelmäßig saunieren, können sich auch in Bewegung, Lebensstil oder Gesundheitszustand von anderen Gruppen unterscheiden.
Sauna kann Teil einer persönlichen Wellnessroutine sein. Sie sollte aber nicht als Schutz vor Herzinfarkt, plötzlichem Herztod oder anderen Erkrankungen beworben werden.
FAQs
Der Puls steigt und der Blutfluss zur Haut nimmt zu. Diese akute Reaktion ähnelt in einzelnen Punkten einer leichten bis moderaten Belastung, ersetzt aber kein Bewegungstraining und ist keine Therapie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Waage kann direkt nach dem Saunieren weniger anzeigen. Das ist vor allem verlorene Flüssigkeit und wird durch Trinken wieder ausgeglichen. Ein relevanter Fettabbau ist damit nicht belegt.
Nein. Du kannst dich zunächst an der Luft und anschließend mit angenehm kühlem Wasser abkühlen. Sehr kaltes Wasser setzt einen stärkeren Kreislaufreiz und ist nicht für jede Person geeignet.
Wärme steigert die Hautdurchblutung und Schweiß befeuchtet die Hautoberfläche. Ob das angenehm ist, hängt vom Hautzustand ab. Sauna ersetzt keine dermatologische Behandlung.
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wiederkehrender Ohnmacht, instabilen chronischen Erkrankungen oder Medikamenten mit Einfluss auf Blutdruck und Temperaturregulation ist vorab ärztlicher Rat sinnvoll. Weitere Gegenanzeigen findest du im separaten Sicherheitsratgeber.
Quellen und weiterführende Informationen:
Laukkanen, T., Kunutsor, S. K., Zaccardi, F. et al. (2018): Acute effects of sauna bathing on cardiovascular function. Journal of Human Hypertension, 32, 129–138.
Hannuksela, M. L. & Ellahham, S. (2001): Benefits and risks of sauna bathing. The American Journal of Medicine, 110(2), 118–126.
Kauppinen, K. (1989): Sauna, shower, and ice water immersion. Physiological responses to brief exposures to heat, cool, and cold. Part I: Body fluid balance. Arctic Medical Research, 48(2), 55–63.
Kauppinen, K. (1989): Sauna, shower, and ice water immersion. Physiological responses to brief exposures to heat, cool, and cold. Part II: Circulation. Arctic Medical Research, 48(2), 64–74.
Baker, L. B. (2019): Physiology of sweat gland function: The roles of sweating and sweat composition in human health. Temperature, 6(3), 211–259.
Hussain, J. & Cohen, M. (2018): Clinical Effects of Regular Dry Sauna Bathing: A Systematic Review. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2018, Article 1857413.
Laukkanen, J. A., Laukkanen, T. & Kunutsor, S. K. (2018): Cardiovascular and Other Health Benefits of Sauna Bathing: A Review of the Evidence. Mayo Clinic Proceedings, 93(8), 1111–1121.
Dieser Beitrag wurde redaktionell anhand der genannten Quellen erstellt. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen, starken oder zunehmenden Beschwerden sowie Unsicherheit solltest du ärztlichen Rat einholen.